Bleicherstraße 59 J. Wetzel 1946Bleicherstraße 59 J. Wetzel 1946 Ansicht von Westen J. Wetzel 1946Ansicht von Westen J. Wetzel 1946 Ansicht von Norden J. Wetzel 1946Ansicht von Norden J. Wetzel 1946 Turnhalle, unterm Notdach Atelier und Werkräume Johannes Wetzel 1946Turnhalle, unterm Notdach Atelier und Werkräume Johannes Wetzel 1946

Die bedrückende Stimmung des zerstörten Hamburg hat Johannes Wetzel, eben aus Krieg und kurzer Gefangenschaft heimgekehrt, 1946 in den Zeichnungen der Ruinen des Schulhauses versucht wiederzugeben. Johannes Wetzel führte eine Klasse der Mittelstufe und unterrichtete in der Oberstufe Stenographie und Mathematik.

Vom Kriegsende bis zum Neubau (1946 bis 1983)

Die Kräfte, die damals bei der Gründung Altonas gegeneinander standen, vollzogen vereinigt die Wiederbegründung der Schule. Der Intelligence Service hatte unter anderem die Aufgabe, in der Britischen Besatzungszone so viel an demokratischen Bestrebungen wie irgend möglich wieder aufleben zu lassen, beziehungsweise neu einzurichten. Waldorfschule und Anthroposophische Gesellschaft waren dort selbstverständlich bekannt. Der Eindruck der erfolgreichen Arbeit vor dem Verbot und die Bemängelung der Gesinnung von Lehrern und Schülern durch die nationalsozialistischen Beamten der nationalsozialistischen Schulaufsicht waren jetzt wichtige positive Zeugnisse. So wurde einer Wiedereröffnung der Waldorfschule nichts in den Weg gelegt.
Heinz Müller hatte nach Kriegsende eine Theatergruppe ins Leben gerufen, mit der die Oberuferer Spiele einstudiert und vom Westen (Blankenese) bis zum Osten (Poppenbüttel und Sasel) aufgeführt wurden. So suchte er den Freundeskreis der Schule wieder zu sammeln. Der finanzielle Ertrag von 60000 Reichsmark wurde von Hans Pohlmann verdoppelt und bildete den Grundstock für die Instandsetzung der schwer durch Bomben beschädigten Gebäude. Mit den aus dem Krieg heimgekehrten Facharbeitern und der Mithilfe von Eltern und dank seiner Beziehungen zu derzeit kaum zu beschaffendem Baumaterial gelang es Hans Pohlmann, die Räume einigermaßen benutzbar zu machen: über dem Fußboden des Saales im 2. Obergeschoss wurde ein Notdach errichtet, wo Glas nicht reichte, Pappe und Sperrholz in die Fenster eingesetzt, die Heizung notdürftig in Gang gebracht. Einen Stuhl hatte jeder Schüler zunächst selber mitzubringen.

Nach der Unterbrechung der Schularbeit durch Anordnung Heinrich Himmlers, alle Lehrkräfte durch die Gestapo für Verwaltungsaufgaben abziehen zu lassen, wurde der Schulverein nicht aufgelöst. Die Dr. Max Kändler von Rudolf Steiner empfohlene Satzung wurde fortgesetzt: Gliederung des Schulvereins in den beschließenden Gründerverein mit 9 Mitgliedern, der neue Mitglieder ausschließlich durch Kooption gewinnt, und den allgemeinen Schulverein, dessen Mitgliedern allein beratende Mitwirkung zustand. Dieser Rat entsprang der Sorge, der Schulverein könne bei allgemeinem Wahlrecht der Mitglieder leicht von Interessengruppen, zum Beispiel von einer Partei, majorisiert und damit den der Schule zu Grunde liegenden Ideen entfremdet werden.

Dem für die Gründung 1922 gewünschten Namen “Rudolf Steiner Schule” wurde damals von Rudolf Steiner selber entgegnet, man möge der Gründung mit seinem Namen keine Steine in den Weg legen. Nach dem überstandenen Kriege konnte dieser Name auf dem Untergrund der Anerkennung der geleisteten Arbeit mit Berechtigung gewählt werden. An der Gründerversammlung nahmen teil: Ing. Hans Pohlmann, Carl Friedrich Steup, Heinz Müller, Dr. med. Fritz Rascher, Dr. Alfred Sleumer, Martha Somann, Emilie Pohlmann als alte Miglieder; als neue Gründermitglieder Ing. Hans Pohlmann, Dr. Johannes Hemleben, Jürgen Schürer, Franz Westermann, Johann Hendrik van Grootheest, Dr. Paula Dieterich, Dr. Annemarie Pönitz. Als Namen wurden “Rudolf Steiner Schule” und “Rudolf Steiner Schulverein” am 11. April 1946 gewählt.

Trotz aller Behelfsmäßigkeiten wuchs die Schülerzahl so schnell, dass bald in zwei Schichten unterrichtet werden musste, eine Hälfte von 08:00 bis 13:00 Uhr, die andere von 13:00 bis 18:00 Uhr. Alle zwei Wochen wurde gewechselt. 1948 besuchten bereits 800 Schüler die Schule, im März 1951 wurde das erste Abitur abgenommen und im Herbst 1951 gab es 25 Klassen mit 1036 Schülern. Da musste die Schulaufsicht Einhalt gebieten.

Haupthaus und Klassenbau an der Wandsbeker AlleeHaupthaus und Klassenbau an der Wandsbeker Allee Luftbild des SchulgeländesLuftbild des Schulgeländes

Die Fotografien zeigen das Äußere der notdürftig instandgesetzten Ruinen und die schweren Schäden am Tragwerk. Dann den Wiederaufbau durch die Stadt nach 1956.

Das Hauptgebäude sollte von der Stadt, als Eigentümer, während laufenden Unterrichtes in Stand gesetzt werden. Die Überprüfung ergab 1954 jedoch, dass für das Hauptgebäude Einsturzgefahr bestand. So sehr waren in Folge der Bombenschäden die tragenden Konstruktionen durch anschließende Witterungseinflüsse angegriffen worden. Eine abbruchreife Baracke in der nahe gelegenen Lydiastraße wurde als Ausgleich notdürftig für Unterrichtszwecke hergerichtet.
Am 15. September 1956 war dann die Einweihung für das neu entstandene Haupthaus. Direkt anschließend begann der Bau des Zwölf-Klassentraktes entlang der Wandsbeker Allee. Am 19. Juni 1958 war die Raumnot erst einmal behoben und der ehemalige räumliche Umfang fast ganz wiederhergestellt.

In den 1960er Jahren nahmen Anmeldungen wieder stärker zu. Zur Fünfzig-Jahr-Feier der Schulgründung 1972 wurden daraufhin ein Kindergarten mit zwei Gruppen und der Aufbau zur Zweizügigkeit begonnen.
Zuvor war 1970 die inzwischen weit angewachsene Schule in Nienstedten endlich in die Eigenständigkeit entlassen worden. Da es nun zwei Waldorfschulen in Hamburg gab, wurden die Namen “Rudolf Steiner Schule Hamburg-Wandsbek” und “Rudolf Steiner Schule Hamburg-Nienstedten” gewählt.

Die Stadt bot Ende der 70er Jahre nacheinander mehrere ihrer bald auslaufenden Schulen an. Keine davon konnte zunächst den Wünschen und Vorstellungen von Lehrer- und Elternschaft entsprechen. Bis endlich auch die Weißenhofschule in Farmsen ins Gespräch kam.
Mit Beginn der Sommerferien 1983 begann die Elternmitarbeit mit dem Feiräumen des Geländes und den Umbauten im Altbau. Das Bauunternehmen Hammers richtete die Baustelle ein und führte die Gründungsarbeiten aus.
Im Januar 1985 geschah der Einzug in das Gebäude.