Ein brennendes Schloss, Todesangst, Liebe, Verrat. Er hat sie auffliegen lassen, nun müssen sie sterben. Es ist Weihnachten im Jahre 1943. Bei dem Verräter handelt es sich um Louis Creveaux, einen Bewohner des Dorfes Haut-Chamond am Fuße der savoyischen Alpen. Er ist der Spion der von Lutz Sprenger geführten deutschen Heerespolizei, gleichzeitig jedoch aktives Mitglied der französischen Résistance. Eine einzige, auf Vertrauen und dem Glauben an das Gute beruhende Entscheidung hat nun verheerende Folgen…
Geschrieben von Carl Zuckmayer, erzählt unser Drama „Der Gesang im Feuerofen“ (1950) von Verfolgung und Verrat, von Zusammenhalt und doch auch von Zuversicht im deutsch besetzten Frankreich im Zweiten Weltkrieg. Es stellt die unterschiedlichsten Beziehungen zwischen den Deutschen und Franzosen ergreifend dar, zeigt die Verworrenheit von Krieg und Menschlichkeit in Zeiten politischer Unruhen und Verfolgung. Man sieht den Hass des Krieges, verkörpert in der ständigen Verachtung des Truppführers Lutz Sprenger. Es zeigen sich Konflikte über das Gute und Böse im Menschen, das Ziel eines erfüllten Lebens und den Tod. Emotionale Verbindungen stehen im Gegensatz zu den Kriegsparteien und zu der Verzweiflung, die facettenreich zum Ausdruck kommt. Gleichzeitig wird immer wieder deutlich, wie wesentlich Vertrauen und Menschlichkeit in solchen Zeiten sind. Doch dieses Wesen der Menschlichkeit ist es, das durch Verrat ausgenutzt wird.
Zur Entstehung des Stücks: Die beiden Zeitungsmeldungen „Verräter zum Tode verurteilt“ und „44 Walfische gestrandet“ bildeten, „so wie sie ohne erkennbaren Zusammenhang aufeinander folgten, […] den Anlaß zur Fabel und zum Inhalt dieses Dramas“, wie Carl Zuckmayer zu Beginn seines Werkes erläutert. Als Kriegsfreiwilliger im Ersten Weltkrieg an der Westfront und als im Nationalsozialismus politisch Verfolgter sind die im Drama behandelten Themen für Zuckmayer persönlich biografisch zentral. Seine Werke sind vor allem in der Nachkriegszeit des Zweiten Weltkrieges von jungen Menschen mit großer Begeisterung und Offenheit aufgenommen worden, „Der Gesang im Feuerofen“ jedoch blieb weitestgehend unbeachtet.
Warum? Die Absurdität von Krieg ist (wieder) aktuell. Noch aktueller, als wir es zu Anfang der Probenzeit annehmen konnten. Wir wollen diesem Werk neues Leben einhauchen, tauchen in ihm doch etliche Themen auf, die uns als aktuell und wichtig erscheinen: Fragen nach dem Ziel eines erfüllten Lebens, nach Sinn, Freiheit und Zukunft sind vor allem für junge Menschen bedeutend, und das gleichermaßen damals wie heute. Krieg oder Frieden, Hass oder Liebe, Verrat oder Vertrauen, Nationalismus oder Völkerverständigung, Rache oder Mitleid: Das sind nur einige wenige Stichworte, die die Geschichte tragen. Für den Autor selbst war ein Ausruf des jungen Dorfkaplans Francis Leroy, ebenfalls Mitglied der Widerstandsbewegung, von eminenter Bedeutung: „Es muß eine Liebe geben, die stärker brennt als der Haß. Alles andere ist zu wenig.“ Auch oder vor allem in unserer heutigen Zeit dürfte das als eine Forderung – gerade von uns jungen Menschen – Geltung haben.